Archive für den Monat: Dezember 2015

Liebe Flintbekerinnen und Flintbeker,

ein turbulentes Jahr geht für den Freundeskreis zu Ende. Nicht nur, dass sich die Anzahl der Flüchtlinge in diesem Jahr mehr als verdoppelt hat, auch dass viele Syrer nach langer Zeit ihre Anerkennung bekamen und nun neuen Wohnraum für sich und ihre Familien suchten, stellten uns fast täglich vor neue Herausforderungen und es hat Spaß gemacht, diese zu meistern.

Als Ansprechpartnerin für Sachspenden bin ich auf Ihre Hilfe angewiesen und war immer wieder erstaunt über die große Spendenbereitschaft hier in Flintbek. Auch mehrere Firmen haben mich über das Jahr mit Spenden beglückt. Alles, was ich über das Jahr nicht verteilen konnte, habe ich in den letzten Tagen in kleine Päckchen gepackt und somit für jedes unserer Flüchtlingskinder ein kleines Weihnachtsgeschenk zaubern können.

geschenke

 Vielen, vielen Dank an alle, die mir helfen, zu helfen !

 

Am Abend der Begegnungen in der Eiderhalle haben viele von Ihnen einen Einblick in unsere Arbeit erhalten können, eine besondere Überraschung an diesem Abend erhielten Frau Ute Bergner (unsere Flüchtlingsbeauftragte und vom Freundeskreis liebevoll Chefin genannt) und ich in Form zweier riesiger Geschenkkartons, die von Flintbeker Firmen prall gefüllt waren. Frau Bergner und ich waren sprachlos! Bisher haben wir unsere Arbeit mit Freude verrichtet, aber  SO  gesehen zu werden und mit einem großen Dankeschön beschenkt zu werden, hat uns einfach umgehauen. Wir danken Ihnen von Herzen hierfür.

abendderbegegnung

Frau Bergner und ich wünschen allen ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und viel Kraft für das Jahr 2016.

Herzlichst,
Ihre Sonja Wingsch

Liebe Unterstützer des Freundeskreises,

ich gebe seit dem Sommer einigen unserer Flüchtlinge Deutschunterricht und möchte hier von einer meiner „Schülerinnen“ erzählen, die freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt ist und die sich nun unverschuldet in einer verzweifelten Lage befindet.

Diese Frau ist aus einem sogenannten „sicheren“ Herkunftsland gekommen, in der Hoffnung, hier arbeiten und ein besseres Leben führen zu können. Sie hat in ihrer Heimat studiert. Nach dem Krieg, der bis vor einigen Jahren in ihrem Land herrschte, hatte sie für eine Hilfsorganisation mit traumatisierten Kindern gearbeitet - bis das Projekt auslief und sie dadurch ihre Arbeit verlor.

Als diese Frau sehr schnell nach ihrer Ankunft in Flintbek erfuhr, dass man sie unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt hatte und sie hier höchstwahrscheinlich nicht würde arbeiten und bleiben können, hat sie sofort entschieden, ihren Asylantrag zurückzuziehen und freiwillig wieder auszureisen. Ute Bergner hat für sie einen entsprechenden Antrag formuliert und an das Amt in Rendsburg geschickt.

So schnell und einfach war diese Ausreise allerdings nicht möglich, da die Frau keinen Pass besaß. Dieser musste erst in ihrem Heimatland beantragt werden, was zu einer langen, für sie zermürbenden Wartezeit führte. Immer wieder hat Ute Bergner in dieser Zeit in Rendsburg angerufen und sich danach erkundigt, wann nun diese freiwillige Ausreise stattfinden würde.

Endlich – nach 5 Monaten Wartezeit – sollte es soweit sein. Frau Bergner bekam Bescheid, wann und wo sich die Frau für ihre Ausreise einfinden sollte. Sie würde dann mit dem Flugzeug in ihre Heimat zurückgebracht werden.

Am Abend des Ausreisetages bekam ich eine verzweifelte Mail von einer Verwandten der Frau, die in Deutschland lebt, mit der Bitte um Hilfe.

Die Verwandten hatten der Frau zum Abschied ihre Ersparnisse geschenkt, um ihr die Rückkehr in die Heimat zu erleichtern und ihr letztendlich das Überleben in der ersten Zeit zu sichern. Dieses gesamte Geld war der Frau nun am Hamburger Flughafen von der Bundespolizei abgenommen worden – als Reisekosten und Rückerstattung der Auslagen, die Deutschland durch ihren Aufenthalt hatte (darüber hat sie eine Quittung bekommen, die uns vorliegt). Nur ihr wurde Geld abgenommen. Die übrigen Ausreisenden blieben unbehelligt. Ich informierte sofort Frau Bergner und wir beide erkundigten uns beim Flüchtlingsrat und dem Amt Rendsburg, ob das rechtens sei und ob es eine Möglichkeit gäbe, das Geld zurückzubekommen. Schließlich war die Frau ja freiwillig ausgereist und bis vor kurzem hieß es noch, dass Personen, die sich entschließen, freiwillig zurückzukehren, als Unterstützung sogar noch Geld bekommen sollten. Und dieser Frau nahm man ihr ganzes Geld ab und schickte sie mittellos zurück. Der Flüchtlingsrat machte uns wenig Hoffnung das Geld zurückzubekommen. Vom Kreis Rendsburg bekam ich fast zwei Wochen lang gar keine Antwort.

In der Heimatstadt der Frau hat eine deutsche Organisation ein Büro, das freiwillig Ausgereisten Unterstützung anbietet. Wir hatten die Frau noch während sie in Deutschland war dort angemeldet, damit sie nach ihrer Rückkehr gleich ohne lange Wartezeit Hilfe erhalten könnte.

Nachdem sie nun mittellos in ihrer Heimat angekommen war, hat sie sich in ihrer Verzweiflung gleich an dieses Büro gewandt, in der Hoffnung, dort Hilfe zu erhalten. Man schickte sie jedoch wieder fort mit der Begründung, man würde ihr nur helfen, wenn sie ein Dokument vorlegen könne, das belegen würde, dass sie wirklich eine freiwillig Ausgereiste sei.

Ich erhielt wieder eine Mail der Verwandten mit der Bitte, ob ich helfen könnte, dieses Dokument zu besorgen und an das Büro der Organisation zu mailen.

Ich leitete diese Bitte an das Amt Rendsburg weiter. Und erhielt endlich eine Antwort, aber eine, die uns schockierte.

Zum einen wurde gesagt, dass die Bundespolizei durchaus berechtigt sei, den Ausreisenden Geld abzunehmen. Das Geld würde die Frau auf keinen Fall zurückbekommen. Und zum anderen wäre die Frau auch keine freiwillig Ausgereiste, sie sei abgeschoben worden. Als freiwillig ausgereist würde man nur gelten, wenn man sein Ticket selbst bezahlt hätte. Nur ist niemand von uns davon in Kenntnis gesetzt worden. Es ging bei dieser Frau immer um freiwillige Ausreise. Hätte man mitgeteilt, dass sie selbst und auf eigene Kosten ausreisen sollte, hätte sie das in jedem Fall getan! Nun ist sie doppelt und dreifach gestraft. All ihr Geld wurde ihr abgenommen. Als Abgeschobene erhält sie in ihrer Heimat keine Unterstützung durch das Büro der deutschen Organisation und sie darf deutschen Boden nie mehr betreten (Nachtrag vom 11.01.2016 siehe unten) – auch nicht, um ihre Verwandten zu besuchen. Sie ist sehr verzweifelt!

Ich hatte überlegt – und der Flüchtlingsrat hatte es uns auch empfohlen – mit der Geschichte an die Presse zu gehen. Das möchte die Frau aber nicht, weil sie fürchtet, es könne bis in ihr Heimatland durchdringen und ihr Ärger einbringen. Aus diesem Grund erwähne ich in meinem Text auch keine Namen und Orte.

Frau Bergner und mir fiel als einzige Möglichkeit zu helfen nur ein, ein internes Spendenkonto einzurichten, um Geld zu sammeln, mit dem wir der Frau zumindest finanziell etwas unter die Arme greifen können. Solltet ihr dieses unterstützen wollen, ist dies das entsprechende Konto:

Kirchengemeinde Flintbek
IBAN DE 70 5206 0410 4406 5065 00
BIC GENO DE F 1 EK 1
Verwendungszweck: Asylsuchende – Hilfe für eine Ausgereiste

Vielen Dank im Voraus für eure Unterstützung!

Svenja Görtzen

Nachtrag vom  11.01.2016:

Wie wir in jüngster Zeit erfahren haben, stimmt es nicht, dass die Frau deutschen Boden nie wieder betreten darf, sie darf "nur" über eine gewisse Zeit (wahrscheinlich 5 Jahre) nicht nach Deutschland oder ein anderes EU-Land einreisen.

Freitags von 14 bis 16 Uhr und sonntags von 11 bis 14 Uhr stellt der TSV Flintbek die kleine Turnhalle für ein Sportangebot für Flüchtlinge zur Verfügung. Da wir dieses schöne Angebot möglichst schnell nutzen möchten, startet das Sportangebot bereits am 11. Dezember.

Insbesondere für die Sonntage möchten wir gerne eine kleine Gruppe von Freiwilligen bilden, die das Sportangebot abwechselnd betreuen. Wir freuen uns über jeden, der hier mitmachen möchte! Zusätzlich möchten wir einen kleinen Pool an Sportschuhen zur Verfügung stellen. Hierfür suchen wir dringend noch Sportschuhe in den Größen 41 bis 44.

Wer gerne bei der Betreuung des Sportangebots mitmachen oder Sportschuhe spenden möchte, kann sich gerne bei Nils Hebbinghaus melden (E-Mail: hebbinghaus@freundeskreis-fluechtlinge-flintbek.de).

Nils Hebbinghaus